Recherche zu meiner “Diplom-Taktik”

In diesem ersten Stadium beschäftige ich mich mit der Entwicklung meiner eigenen Taktik in Bezug auf meine Diplomarbeit.

Was ist mein Ziel und wie kann ich dieses erreichen?
Mein erstes, grundlegendes Ziel muss es sein, zu involvieren, eine Sogwirkung zu erzeugen, mir ein Publikum zu schaffen. Ausschlaggebend ist dafür der erste Eindruck, der entscheidende Moment, in dem sich jemand auf etwas einlässt oder nicht. Tut er es nicht, ist alles weitere irrelevant. Tut er es, gilt es, ihn weiter hineinzuziehen, um ihn nicht zu verlieren, denn das kann in jedem weiteren Moment der Fall sein.

Erste Gedanken dazu:
Ich erzeuge im ersten Moment das Gefühl des “das kenne ich, damit kann ich umgehen”, um ein erstes Erfolgserlebnis zu bieten, gleich im nächsten Moment jedoch sollte das vermeintliche Wissen um die Funktion durch etwas Überraschendes, Neues, Unerwartetes in die nächste Stufe führen: “das kenne ich, aber so kenne ich es nicht”. Der erste Schritt der Annäherung ist getan (vielleicht eine Berührung), vielleicht der schwierigste, denn ohne ihn können keine weiteren Schritte folgen. Wie funktioniert das? Indem Vertrauen aufgebaut wurde, und zwar aufgrund der Annahme etwas irgendwie Bekanntes vor sich zu haben. Mit dieser Annahme ist auch eine Erwartung verknüpft. Diese Tatsache macht es umso einfacher zu überraschen, nämlich durch etwas, das in keinster Weise dieser Erwartung entspricht, vielleicht erst einmal verwirrt, aber dadurch interessant wird. Ein Feedback. Und was folgt? Eine weitere Annäherung. Ein Feedback. Und noch eine …? Neugier. Staunen. Wundern. Klarheit. Keine Unsicherheit. Ausprobieren. Spielen. Eine einfache und völlig klare Interaktion. Handlung, Feedback, Reaktion, Feedback, Reaktion, Feedback… Das Feedback führt sicher durch die Aktion, es entsteht keine Hilflosigkeit oder Unsicherheit. Nachdem der Umgang, also der Weg, klar ist und die Sogwirkung in vollem Gange, sollte ein Ziel erkennbar werden, die Einfachheit steigert sich zur Komplexität, sonst wird es langweilig, aber das Tempo dieser Entwicklung gibt nun der Involvierte vor. Um ihn nicht zu verlieren, sollte er ein Gefühl der Kontrolle haben und dieses auch behalten.
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In diesem Zusammenhang habe ich ein wenig Information über das Phänomen des
Flow-Erlebnisses gesammelt:

Flow (engl. fließen, rinnen, strömen) bedeutet das Gefühl des völligen Aufgehens in einer Tätigkeit, auf Deutsch in etwa Schaffens- oder Tätigkeitsrausch, Funktionslust.
Flow kann als Zustand beschrieben werden, in dem Aufmerksamkeit, Motivation und die Umgebung in einer Art produktiven Harmonie zusammentreffen.

Mit jedem einzelnen der menschlichen Sinne lässt sich Flow erleben, oftmals nach langjährigem Training, den Sinn auf Höchstleistung zu schärfen. Voraussetzung zum (manchmal überraschenden, plötzlichen) Eintreten in den Flowzustand ist zuvor die Bereitschaft, auf die oftmals anzutreffende, grundsätzlich skeptische Distanz zum Erlebten verzichten zu wollen, sich also einem möglichen Erleben, ganz zu öffnen.

Der Psychologe Mihaly Csikszentmihalyi definiert den Flow wie folgt:
* Wir sind der Aktivität gewachsen.
* Wir sind fähig, uns auf unser Tun zu konzentrieren.
* Die Aktivität hat deutliche Ziele.
* Die Aktivität hat unmittelbare Rückmeldung.
* Wir haben das Gefühl von Kontrolle über unsere Aktivität.
* Unsere Sorgen um uns selbst verschwinden.
* Unser Gefühl für Zeitabläufe ist verändert.
* Die Tätigkeit hat ihre Zielsetzung bei sich selbst (sie ist autotelisch)

Entscheidend ist die Kombination
1. von voriger Aktivität (Anstrengungen, was unternommen und aufgewendet wurde, um nun Flow erleben zu dürfen) und
2. von Passivität (sich dann überraschen zu lassen von Flow).

Flow ist keine analoge Steigerung des guten Erlebens, sondern eine Art digitaler, plötzlicher Antwort des Körpers: im Flow ist man in der Hochbeanspruchung des Tuns und Erlebens vollkommen hingerissen. Sie sind meist von kurzer Dauer von Augenblicken bis zu wenigen Minuten.

(wikipedia)
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»Ziele machen aus einem zufälligen Spaziergang eine Jagd.«
»Man braucht klar strukturierte Ziele, kleine und wichtigere. Wie beim Verfolgen der Fußspuren eines Tiers. So kommt man in den Flow.«

(electronic arts)
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Die sechs Komponenten des Flow
Csikszentmihalyis Konzept (1990) basiert auf sechs Säulen, die das Flow-Erleben maßgeblich charakterisieren:

1 Handlungsanforderungen und Rückmeldungen
Sowohl die Handlungsanforderungen als auch die Rückmeldungen äußern sich dem Handelnden klar und interpretationsfrei, er weiß jederzeit, was zu tun ist. Er bekommt eine unmittelbare Rückmeldung über Erfolg und Misserfolg.

2 Die optimale Beanspruchung
Das Können der handelnden Person steht in einem perfekten Verhältnis zu der Herausforderung. Somit fühlt sie sich sicher und bekommt das Gefühl, alles unter Kontrolle zu haben.

3 Der flüssige Handlungsablauf
Der Handlungsablauf ist die gesamte Zeit über flüssig. Die Person findet ihren eigenen Rhythmus. Beispielhaft ist hier der konstante Bewegungsrhythmus eines Sportkletterers, der es ihm zudem noch möglich macht, seine Kräfte optimal einzuteilen.

4 Es gibt keinen Konzentrationszwang
Der Mensch muss sich nicht zwingen, seine Konzentration auf die Beschäftigung zu lenken. Alle äußeren, überflüssigen Kognitionen kann er ausklammern.

5 Der Verlust des Zeitgefühls
Ein typisches Phänomen für das Fluss-Erlebnis ist das vollkommene Vergessen der Zeit. Für die Person im Flow vergehen Stunden wie Minuten. Die Zeit verfliegt.

6 Verschmelzung von Selbst und Tätigkeit
Während der Beschäftigung sieht sich die Person nicht abgehoben (von außen) von ihrer Tätigkeit, sondern verschmilzt mit ihr, geht in ihr auf, wird eins mit ihr. Der Musikpädagoge und Diplom-Psychologe Andreas Burzik spricht hier aus der Perspektive eines Musikers von einem dichten, warmen Kontakt mit seinem Instrument (Burzik, 2006).

(Der Kreative Prozess II: Flow-Erleben, Stefanie Blabl, Benjamin Cordes)
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Csikszentmihalyi:
“In den frühen siebziger Jahren sprach ich mit Schachspielern, Bergsteigern, Musikern und Basketballspielern. Ich bat sie zu beschreiben, was sie erlebten, wenn das, was sie taten, richtig gut lief. Natürlich rechnete ich mit den unterschiedlichsten Geschichten. Doch die Interviews schienen sich in vielen wesentlichen Aspekten auf ein und dieselbe Qualität der Erfahrung zu konzentrieren. Zum Beispiel sagten alle, dass man völlig in dem, was man täte, aufginge, dass die Konzentration sehr hoch wäre, dass man von Augenblick zu Augenblick genau wisse, was man zu tun habe und eine sehr direkte und schnelle Rückmeldung darüber erhielte, wie gut man bei seiner Arbeit wäre, und weiter noch, dass den eigenen Fähigkeiten zwar das Äußerste, jedoch nie zu viel abverlangt würde. Mit anderen Worten, die Herausforderungen und die Fertigkeiten hielten sich die Waage. Und waren all diese Bedingungen simultan gegenwärtig, vergaß man seine Alltagssorgen und sogar sich selbst als etwas Getrenntem von dem, was gerade vor sich ging, man war sich bewusst, dass man Teil von etwas Größerem war und bewegte sich entlang der inneren Logik der Handlung.

Jeder sagte gleichermaßen aus, es wäre wie von einer Strömung getragen zu werden, spontan, mühelos, wie ein Fließen. Zudem vergäße man die Zeit und fürchte sich nicht vor Kontrollverlust. Man wäre sicher, die Situation, wenn nötig, unter Kontrolle zu haben. Es wäre aber schwer zu bewerkstelligen, weil die Anforderungen hart seien. Es fühlte sich auf der einen Seite zwar mühelos an, wäre aber dennoch extrem abhängig vom Konzentrationsvermögen und den Fertigkeiten. Es wäre also eine Art von paradoxem Zustand, wo man auf einem angenehmen Grat zwischen Streben und Unruhe einerseits und Langeweile andererseits stände. Man funktionierte auf diesem schmalen Grat, wo man gerade eben das tun konnte, was getan werden musste.”

(Flow mit Seele, Ein Interview mit Dr. Mihaly Csikszentmihalyi von Elizabeth Debold)
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Flow ist so etwas wie der Idealzustand des Handelns.
Gewöhnlich tun wir etwas und denken dabei an zig andere Dinge. Gerade die zahllosen Routineaufgaben, die unseren Alltag ausmachen, sei es im Haushalt oder im Beruf, bringen es mit sich, dass die psychische Energie nur zu einem kleinen Teil von der zu erledigenden Aufgabe absorbiert wird. Der Rest fällt der “psychischen Entropie” anheim. Soll heißen: Während unsere Handlungen automatisch-mechanisch ablaufen, denken wir an dies oder jenes, haben vielleicht plötzlich Schuldgefühle, Zweifel oder Ängste und sind alles, nur nicht eins mit uns und unserem Tun. Gelegentlich aber ist es genau umgekehrt. Wir handeln - und soweit wir überhaupt dabei denken oder fühlen, ist alle psychische Energie aufs Handeln ausgerichtet.

Vor allem sind flow-Aktivitäten zwischen über- und unterfordernden Tätigkeiten angesiedelt, dass heißt, das Anspruchsniveau ist so hoch, dass der Handelnde die Tätigkeit “gerade noch” schafft und Erregung und Kontrolle ein mittleres Niveau erreichen. Unterforderung würde Langeweile und Monotonie bedeuten, Überforderung Angst. Im flow ist für derartige Gefühle kein Platz.

(“Flow” als höchste Form emotionaler Intelligenz? Zu Mihaly Csikszentmihalyi “Lebe gut!” von Oliver Pfohlmann)
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Eine wichtige Voraussetzung für das Zustandekommen einer Flow-Erfahrung ist,
daß die Anforderungen und Fähigkeiten im Gleichgewicht sind. Wenn eine Aufgabe zu schwierig wird, besteht andauernd die Gefahr von Fehlern. Der Handlungsfluß wird dann häufig unterbrochen, man beschäftigt sich gedanklich mit einem möglichen Mißerfolg, und damit entsteht Angst oder Ärger, aber kein Flow. Im umgekehrten Fall, also einer Unterforderung durch eine zu leichte Aufgabe, hat es sich ebenfalls schnell ausgeflowt. Interesse und Konzentration lassen nach, und es entsteht Langeweile. Nun sind natürlich bei sehr primitiven Tätigkeiten (sagen wir, beim Kauen von Kaugummi) Anforderungen und Fähigkeiten ebenfalls im Gleichgewicht, aber niemand käme auf den Gedanken, hier von einer besonders intensiven Erfahrung zu sprechen. Was “keine Kunst” ist, erzeugt also keinen Flow.

All dies kann natürlich nur funktionieren, wenn sich die Umwelt gewissermaßen flow-gerecht verhält, also z.B. schnell, unmittelbar und präzise Rückmeldungen über die Wirkung der eigenen Handlungen liefert. Durch Unterbrechungen, Ablenkungen, Desorientierung oder Mißerfolgserlebnisse hören Handlungen ganz schnell zu fließen auf, womit es dann zugleich auch - im wörtlichen Sinn - um den Flow geschehen ist.

(Über Flow, kommdesign.de)
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Sonstige interessante Dinge zum Flow:

Flow im Gehirn - BRalpha Beitrag

Game-Flow-Analysis-Tools - Diese Webseite präsentiert die von Ralf Armin Böttcher im Jahr 2005 an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg erstellte Diplom-Arbeit im Bereich der Analyse von Computerspielen und der Messung von Flow.

Flow & Usability - Website zur Magisterarbeit von Marco Wurzler und Philipp Stenger

Flow Mihaly Csikszentmihalyi - Abschrift/Exzerpt von Stefan Unterstein

The Journey to Wild Divine
Das Wild Divine Project wurde von dem medizinischen Forscher Kurt R. Smith und dem Designer Corwin Bell gegründet. Bei der Umsetzung der physischen Anweisungen half der tibetische Mönch Nawang Khechog - ein Meditationskollege des Dalai Lama.
Das verwendete Biofeedbackinstrumentarium misst dabei die Veränderung des elektrischen Hautwiderstands sowie die Veränderung der Herzfrequenz - zwei physiologische Parameter, die wie auch bei einem Lügendetektor den psychischen bzw. emotionalen Zustand einer Person widerspiegeln.
Durch Hautwiderstands- und Pulsfeedback löst man viele verschiedene Aufgaben in einer phantastischen Welt. Um eine Tür zu öffnen, ist es also unter Umständen erforderlich, sich bewusst in einen Zustand der Freude und des Glücks zu versetzen oder sich geistig gezielt zu entspannen

Kreative Menschen streben danach, Dinge zu schaffen, die bleibenden Einfluss auf die Gesesellschaften haben, in denen sie leben und wirken.

Introspection vs. Flow.

Eine Handlung um ihrer selbst Willen, nicht als Mittel zum Zweck.

Die optimale Erfahrung.

Entscheidend ist das richtige Verhältnis von Anforderung und Fähigkeit.

Die Bedienung muss automatisiert ablaufen.

Sammelt man in bestimmten Bereichen flow-Erfahrung verschwindet sie dort wieder, denn mit der Erfahrung kommt die Routine.

Flow ist, wenn der Groschen fällt.

Voraussetzung ist ein gestecktes Ziel und das Feedback, ob man noch auf dem richtigen Weg ist.

Wer flow erleben will, darf sich nicht scheuen auch mal den sicheren Hafen des Erprobten zu verlassen.

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